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Der Frühling bringt Veränderung 

im April habe ich ein spannendes Interview mit Dr. Christine Talker für meine Community 

 

 

Dr. Christine Talker ist promovierte Kognitive Psychologin mit einer Spezialisierung auf StressManagement, StressWissenschaft und StressForschung. Sie coacht und trainiert Einzelpersonen und Gruppen (auch online), hält Vorträge im Bereich der Gesundheitsförderung und führt wissenschaftliche Studien zur Wirksamkeit von Gesundheitsmaßnahmen in Unternehmen durch.

 

Liebe Christine, sind es die Menschen, die sich verändern oder ist es die Zeit, die sich verändert? Oder verändern sich die Menschen mit der Zeit? Wie ist deine Erfahrung?

 

Um diese Frage beantworten zu können, gehe ich zuerst darauf ein, was wir von wissenschaftlicher Seite über die Veränderung eines Menschen im Verlauf seines Lebens wissen. Interessante Einblicke bieten dazu die Neurowissenschaften, die mit ihren Methoden viele neue Erkenntnisse über die Entwicklung und Funktionsweise unseres Gehirns liefern. In diesem Zusammenhang ist beispielsweise der Neurobiologe Gerhard Roth zu nennen, der als bedeutendster Naturwissenschaftler Deutschlands ausgezeichnet wurde.

So konnte beispielsweise die Ansicht „Was Hänschen nicht lernt, lernt Hans nimmermehr“ weitgehend widerlegt werden. Denn unser Gehirn zeichnet sich grundsätzlich durch Plastizität aus, d.h. es „lernt“, indem es sich mit den Erfahrungen, die wir machen, verändert – und zwar lebenslang, wobei sich Phasen erhöhter Plastizität (insbesondere in der Kindheit) mit Phasen der Stabilisierung abwechseln. Unsere Erfahrungen kreieren also unser gegenwärtiges und unser künftiges Verhalten.

Und was ist jetzt ausschlaggebend dafür, wie wir uns verhalten?

Richtungsweisend dafür sind unsere emotionalen Erfahrungen. Warum? Unser Gehirn bewertet unser Erfahrungen nach deren Konsequenzen, d.h. ob sie uns guttun – und folglich wiederholt werden oder uns nicht guttun – und in Zukunft vermieden werden. Diese gespeicherte Information hat einen derart starken Einfluss auf unser aktuelles Verhalten bzw. auf unsere Handlungsplanung, dass ein Zuwiderhandeln aus „reiner Vernunft“ nur mit großem Energieaufwand möglich wird und auf Dauer unser psychobiologisches Wohlbefinden deutlich beeinträchtigen kann.

Aber nicht jedes Verhalten muss erst erlernt werden. Wir haben in unseren Genen bereits bestimmte Verhaltensmuster allgemeiner Natur angelegt, die für das Überleben unserer Vorfahren von besonderem Nutzen waren.

Das heißt, der Mensch verändert sich?

Ja, der Mensch verändert sich fortlaufend. Er handelt auf Basis seiner Erfahrungen, um letztendlich sein Wohlbefinden aufrecht zu erhalten bzw. wiederherzustellen. Gelingt dies aufgrund ungünstiger Erfahrungen weniger gut, kann die psychische und körperliche Gesundheit gefährdet sein.

 

Sind die Menschen heute anders als noch vor z.B. 100 Jahren?

Die „Zeiten“ haben sich in den letzten 100 Jahren massiv verändert. Demzufolge sind die Erfahrungen, die Menschen in der heutigen Zeit machen, weitgehend anders als Anfang des 20. Jahrhunderts. Und wie schon gesagt, kreieren unsere Erfahrungen unser Verhalten. Allerdings ähneln wir unseren Vorfahren ja doch wieder in unseren allgemeinen, grundlegenden Verhaltensmustern.

 

Wie sieht es mit dem Erlernen neuen Verhaltens aus? Wieso tun wir uns so schwer, unser altes Verhalten über Bord zu werfen?

Das Erlernen eines neuen Verhaltens erfordert von uns einiges an Training. Nehmen wir als Beispiel eine automatisierte Reaktion bei Wut: Die Emotion Wut ist gekennzeichnet durch eine hohe Aktivierung. Es werden Teile des Gehirns, die für unser „vernünftiges“ Handeln von zentraler Bedeutung sind, regelrecht „ausgeschaltet“.

Sieht unser bisheriges, automatisiertes Verhalten so aus, dass wir in diesem Zustand unmittelbar reagieren, wird unser Handeln sehr impulsiv sein – ohne Rücksicht auf Konsequenzen.

Das neue, erwünschte Verhalten könnte nun so aussehen, zuerst für einen kühlen Kopf zu sorgen, um dann – in Übereinstimmung von Emotion und Vernunft – stimmig handeln zu können. Um dieses Verhalten dauerhaft zu zeigen, d.h. automatisiert wird, müssen sich die neuen Verschaltungen in unserem Gehirn festigen. Das erfordert viele Wiederholungen und kann Monate dauern. Stärken wir diese neuen Verbindungen nicht durch ständiges Üben, kehren die Verschaltungen wieder in ihren Ursprungszustand zurück – d.h. wir fallen in unser altes Verhaltensmuster zurück.

 

Gibt es denn gar nichts, was diesen Prozess ein wenig beschleunigen könnte?

Ja, es gibt tatsächlich einen recht einfach anzuwendenden Handlungsplan, dessen Wirkung von Peter Gollwitzer und Mitarbeitenden vielfach wissenschaftlich untersucht wurde. Er nennt sich „Wenn-Dann-Plan“ und fördert die Bildung eines sogenannten „Spontan-Automatismus“ und lautet folgendermaßen: „Wenn X passiert, werde ich Y tun.“ Das „X“ steht für die Beschreibung einer bestimmten Situation und das „Y“ steht für das neue Verhalten. Der Wenn-Dann-Plan für das oben genannte Beispiel könnte folgendermaßen lauten: „Wenn ich merke, dass ich sehr wütend bin, verlängere ich bewusst mein Ausatmen.“ Warum? Das verlängerte Ausatmen bewirkt einen merklichen Rückgang der Aktivierung. Der Vorteil ist zudem, dass ich diesen Plan in nahezu allen Situationen einsetzen kann.

 

Nun zu dir, Christine. Psychologie ist ja wirklich ein interessantes und tiefgründiges Thema – wolltest du schon immer Psychologin werden? 

Nein, das war nicht immer mein Berufswunsch. In meiner frühen Jugend wollte ich Kriminalbeamtin oder Anwältin werden. Schließlich entdeckte ich im Gymnasium meine Liebe zu den Naturwissenschaften – und dazu zählt auch die Psychologie. So haben mich im Studium Fächer, wie beispielsweise die Mathematik – zur statistischen Auswertung von Daten oder die Humanbiologie – zur Untersuchung physiologischer Prozesse, wie sie z.B. beim Stressgeschehen auftreten, am meisten begeistert.

 

Apropos Stress. Du hast Dich ja in Deiner Selbstständigkeit auf das Thema Stress spezialisiert – warum gerade Stress?

Auf das Thema Stress bin ich durch mein Doktoratsstudium gekommen. Ich konnte die Möglichkeit nutzen, in der Luftfahrtpsychologie zu promovieren, wo ich nach unterschiedlichen Trainings von angehenden Pilot:innen in einem Test deutliche Unterschiede im Stressgeschehen finden konnte – je nach deren Erfahrungen, d.h. je nach Art des Trainings. Dieses Thema hat mich sehr fasziniert und diese Begeisterung habe ich in meine Selbstständigkeit mitgenommen.

Denn Stress betrifft uns alle – er ist aufgrund seiner Aktivierungs- und Schutzfunktion zum einen lebensnotwendig, zum anderen kann er bei entsprechender Dauer und/oder Intensität unsere Gesundheit massiv beeinträchtigen. Die Frage stellt sich nun, wie geht der Mensch damit um? Welche günstigen Erfahrungen braucht der Mensch, um seine Gesundheit und sein Wohlbefinden aufrecht zu erhalten? So ist die Unterstützung meiner Klient:innen in der Förderung ihrer Selbstwirksamkeit im gesundheitsförderlichen Umgang mit Stress zu einer meiner zentralen Lebensaufgaben geworden.

 

Wer sind deine Klienten, eher Frauen oder Männer, Unternehmer oder Angestellte? 

Da Stress uns alle betrifft, habe ich hier keine Einschränkungen. Allerdings gibt es eine untere Altersgrenze – die liegt bei 18 Jahren. Meine Coachings und Trainings finden entweder im Einzelsetting oder in der Gruppe statt – auch Onlinesettings sind möglich. Zudem halte ich Vorträge zum Themenbereich „gesundheitsförderlicher Umgang mit Stress“ – und wer eine wissenschaftliche Begleitung von Gesundheitsmaßnahmen in seinem Unternehmen sucht, ist ebenso bei mir an der richtigen Stelle.

 

lichen Dank, Christine, für dieses spannende Interview. Wie kann dich meine Community erreichen, wo findet man dich? 

Ich sage ebenso lieben Dank!

 

 

Ich bin erreichbar via Telefon, unter +43 678 12 10 989, über E-Mail, unter office@chris-talker.at sowie über die Kontaktseite meiner Website:

www.chris-talker.at – hier finden sich weitere Informationen zu meinen Unterstützungsangeboten sowie zu meiner Person.